Leseprobe aus "Die schwarzen Rosen von Versailles"


Prolog

Im Schloss von Versailles sonnst du dich in deinem Glanz

Aber niemand reicht dir in wahrer  Freundschaft die Hand

Sehnsucht ist verborgen hinter majestätischer Arroganz

Doch anstatt zu sehen, bittest du lieber im den nächsten Tanz

 

Aber niemand erkennt, dass nicht nur königliches Blut in deinen Adern fließt,

dass du auch Frau und Mutter bist

Um dein Kind zu retten schlossest du einen Pakt mit den Mächten der Finsternis,

welcher alles, was du kanntest, ins Grabe trieb

 

Kapitel 1

 

„Der Dauphin“

 

Am 27. März des Jahres 1785 ertönte ein qualvoller Schrei in den Mauern des Schlosses Versailles. Es war jene Nacht, in der Louis Charles du Bourbon das Licht der Welt erblickte. Schon mit seinem ersten Schrei wurde er Dauphin und sämtliche Hoffnungen der Nation, insbesondere jene des Adels, ruhten auf ihm. Denn nicht nur, dass sein älterer Bruder kurz zuvor an einer schweren Krankheit gestorben war, in Frankreich brodelte der mit jedem Tag wachsende Hass auf Adel und Königsfamilie. Auch wenn man in Versailles gewaltsam die Augen davor verschloss und sich lieber Maskenbällen oder anderen Vergnügungen hingab. Alle dachten, oder vielmehr hofften, dass sich mit der Geburt des kleinen Prinzen alles zum Guten wenden beziehungsweise die alte Ordnung wiederhergestellt werden würde. Niemand ahnte, welch tragisches und sehr ungewöhnliches Schicksal Louis Charles vor sich hatte. Nicht nur, dass er schon bei der Geburt mehr als sonderbar wirkte. Auch die strahlend, blauen Augen, welche er zweifelsohne von seiner Mutter, Königin Marie Antoinette, geerbt hatte, schienen mehr von der Welt erahnen oder zu wissen, als für ein Baby gut sein konnte.

„Lady Francois! Lady Francois“!“ Mit einigen stolpernden Schritten, welche jedoch eher von überschwänglicher Freude als von Ungeschick geprägt waren, rannte der mittlerweile dreijährige Thronfolger auf die Kommandantin des königlichen Garderegiments zu und schlang die Arme um ihre Knie. Nach dem ersten Moment der Überraschung gestattete diese ein sanftes Lächeln und hob den Kleinen auf ihren Arm. Er jauchzte vor Freude und drückte zwei feuchte Küsschen auf ihre Wange. „Louis Charles“ Unsicher, ob sie entrüstet sein oder lachen sollte, stand seine persönliche Gouvernante Jasmin in der Tür und betrachtete die Szene. Ihre langen, braunen Haare waren zu einem praktischen Knoten hochgesteckt und das schmale Gesicht mit leichtem Puder geschminkt. Das aus verschiedenen Stoffen, wie Baumwolle und Leinen, gefertigte Kleid mit dem aufwendigem Blumenmuster fiel in zahlreichen kleinen Fältchen über den Unterrock aus weißem Batist. Am auffallendsten war der zarte Prunk in Form einer Schleppe, die nach vorn und hinten auslief.

 Nicht wenige Höflinge rümpften die Nase und zerrissen sich den Mund über Jasmins Modegeschmack, aber die Anfang Dreißigjährige störte sich nicht daran. Denn nicht nur, dass Jasmin die Natur liebte (und diese Zuneigung auf Louis Charles übertrug). Sie war zudem die persönliche Gouvernante und engste Vertraute des zukünftigen Thronfolgers. Sie lachte und weinte, tröstete und maßregelte, lobte und schimpfte ihn aus. Es gab nur wenige Menschen, welche in Louis das Kind und nicht den Prinzen sahen, was der zweite Grund für Jasmins relativ einfache Kleidung war. Wie alle Kinder seines Alters war auch der Dauphin verspielt und übermütig. Nicht selten musste die Gouvernante ihm regelrecht nachjagen. Böse Zungen behaupteten sogar, dass Jasmin dem Dauphin eher eine Mutter sei als die Königin selbst. Obwohl das bis zum gewissen Grade der Wahrheit entsprach, so schmerzten diese Gerüchte sowohl Jasmin als auch Lady Francois zutiefst.  Beide wussten, dass die Königin in ihrem Innern ein gütiger und großherziger Mensch war. Leider hatten Frustration, Gefühlswirren und Einsamkeit Marie Antoinette dazu gebracht, ihre guten Eigenschaften hinter einer Fassade aus Kälte und Verschwendungssucht zu verbergen.


„Lady Francois.“ Louis’ zarte Stimme riss die Kommandantin aus ihren Gedanken, „würdet Ihr mit mir ausreiten? Bitte…bitte…bitte!“ Der kleine Prinz blickte sie mit seinen saphirblauen Augen an. Es war schwierig, Louis etwas abzuschlagen wenn dieser ernsthaft bettelte.

„Aber Prinz“, meldete Jasmin sich zu Wort, „Lady Francois hat sicher etwas mit Eurer Mutter zu besprechen und keine Zeit!“

Der kleine Dauphin verzog seine Lippen zum Schmollmund und seine Augen füllten sich mit Tränen - nicht, weil er aufsässig war und unbedingt seinen Willen bekommen wollte, sondern weil er gerne Zeit mit Francois verbrachte.
„Nicht weinen“, sprach diese daraufhin und strich ihm die Tränen von den Wangen. „Schaut, wenn das Gespräch mit Eurer Mutter nicht zu lange dauert, werde ich danach mit Euch ausreiten. Zieht währenddessen schon mal Eure Reitkleidung an, in Ordnung?“

„Hurra“, rief Louis begeistert und rannte geschwinder als ein junges Reh ins Ankleidezimmer. Normalerweise sträubte er sich mit Vorliebe gegen die höfische Kleidung, da diese seinen natürlichen Neigungen im Wege standen und außerdem recht schwer waren.

Jasmin lächelte unverhohlen, sie freute sich immer, wenn ihr kleiner Schützling glücklich war. Für einen kurzen Moment gestattete Lady Francois sich, diese Geste zu erwidern, ehe ihr Blick wieder ernst wurde. Im Gegensatz zu all den Adeligen in Versailles, welche sich unverhohlen und teilweise sehr dekadent der Vergnügungssucht hingaben, kannten die Kommandantin und auch die Gouvernante das Leben des einfachen Volkes. Francois wusste, dass die Leute sehr unzufrieden waren und dass ihr Hass, besonders gegen Marie Antoinette, tagtäglich wuchs. Die Zeit einer Veränderung stand unmittelbar bevor, unter einigen Soldaten war sogar der Begriff „Revolution“ gefallen. Aus diesem Grund war Francois in das Schloss gekommen, sie wollte mit der Königin sprechen und diese zur Einsicht bewegen. Zwar hatte Francois sich deswegen mit ihrem Vater, General Jarjayes, gestritten, aber sie wusste, dass ihr Anliegen richtig war. Das Volk besaß eine unglaubliche Macht, welche ein großes Blutvergießen heraufbeschwören konnte. Die Kommandantin seufzte und schloss die Augen. Innerlich betete sie, dass Marie Antoinette, welche für Francois nicht nur Herrscherin, sondern auch Freundin war, einmal die Königin sein würde, die sich alle seitdem Anbeginn ihrer Regierungszeit gewünscht hatten.
„Ihre Majestät lässt bitten“ Die Stimme des Herzogs durchbrach ihre Gedanken. Francois erhob sich und folgte ihm in das Zimmer der Königin, wo Marie Antoinette bereits auf sie wartete. Die nunmehr 33jährige Königin trug ein Rokokokleid mit einem Überwurf aus kupferfarbener Seide, welcher mit zierlichen, silber-blauen Ornamenten geschmückt war Das Untergewand bestand aus blutrotem Brokat, an dem dunkelrote Samtrosen aufgenäht waren. Die Armrondelle verliefen etwas schräg und, waren, ebenso wie das Untergewand mit weißer Spitze unterlegt. Eine weitere Verzierung bildeten rote Schleifchen. »
Die nunmehr 33-jährige Königin trug ein Rokokokleid mit einem Überwurf aus kupferfarbener Seide, welcher mit zierlichen, silberblauen Ornamenten geschmückt war. Das Untergewand aus blutrotem Brokat, mit dunkelroten Samtrosen verziert, hing schwer auf ihren Schultern. Die mit weißer Spitze unterlegten, schräg verlaufenen Armrondelle wurden durch die kleinen roten Schleifen noch betont.

Francois fiel auf die Knie: „Seid gegrüßt, Eure Majestät!“ Die Königin lächelte und gebot ihr, sich zu erheben.

„Lady Francois, welch freudige Überraschung. Was führt Euch hierher?“ Ihre Augen blitzten in kindlicher Freunde und erinnerten einen Augenblick lang an das vierzehnjährige Mädchen, das einst nach Versailles gekommen war.

„Majestät, ich bitte Euch, zieht Eure Truppen aus Paris zurück. Die Menschen sind in Aufruhr und voller Hass auf die königliche Familie. Ein Blutbad muss unter allen Umständen verhindert werden!“

Der lebhafte Funke in Marie Antoinettes Augen erlosch sofort und  wich eisiger Kälte.

„Nein, das kann ich nicht“, entgegnete sie mit harter Stimme, „diese Menschen versuchen, die natürliche Ordnung zu stürzen und sich dem König gleichzustellen. Sie müssen untergraben werden!“

Francois zuckte bei diesen Worten kaum merklich zusammen. Was war der Grund dafür, dass ihre einst so geliebte Freundin derart kalt und grausam geworden war?

„Majestät, euer Volk hegt keineswegs dein Wunsch, mit Euch gleichgestellt zu sein. Alles, was es verlangt, sind Brot und ein besseres Leben!“

„Ich habe Soldaten aus allen Teilen Frankreichs abkommandiert. Ich muss meine Familie schützen, ich habe bereits ein Kind verloren.“ Bei den letzten Worten füllten sich Marie Antoinettes Augen mit Tränen. „Für das Grab von Louis Joseph habe ich Silbergestecke und goldene Kerzenhalter verkaufen müssen. Was sind das nur für Zeiten?“

 Der Kommandantin erkannte, dass die Unterredung mit der Königin sinnlos war. Zwar hatte Ludwig XVI. einer Versammlung der Drei-Stände-Kammer zugestimmt, aber weiter wollte sein Zugeständnis, das Volk anzuhören, nicht gehen. Dabei war die Revolution schon jetzt unabwendbar.
Francois seufzte, nicht zum ersten Mal fragte sie sich, was die Königin dazu bewog, so uneinsichtig zu handeln. Hatte sie sich derart in Marie Antoinette getäuscht? War diese von Anfang an eine Tyrannin gewesen, die sich hinter einer Fassade aus Güte und Großherzigkeit verborgen hatte? Welche Gründe gab es sonst noch, diese eisige Mauer um sich herum zu errichten? Die Sehnsucht nach Österreich? Einsamkeit? Falsche Freunde? Ihre verbotene Liebe zu Hans Axel von Fersen? Oder der viel zu frühe Tod ihres ältesten Sohnes? Diese Gründe waren zwar verständlich, aber noch lange keine Entschuldigung, ihre Pflichten als Königin dem Volk gegenüber zu vernachlässigen? Francois verbeugte sich, ohne Furcht, aber mit Trauer im Herzen hielt sie dem kalten Blick ihrer Freundin stand.

„Ich nehme meinen Abschied, Hoheit!“ Ohne sich noch einmal umzudrehen verließ die Kommandantin den Raum. Ihre Augen brannten vor Tränen und sie hätte sich ihre Uniform am liebsten vom Körper gerissen. Obwohl Francois selbst eine Adelige war lag ihr Herz doch bei dem einfachen Volk. Auf dem Flur begegnete die Kommandantin Jasmin, welche verkündete, dass der kleine Dauphin nun bereit für den Ausritt sei. In ihrem Blick lagen die Fragen, doch Francois schüttelte kaum merklich den Kopf. Nicht einmal Louis Charles strahlendes Gesicht und seine ungestüme Umarmung vermochten ihren Kummer zu lindern.

Unter dem glücklichen Jauchzen des Prinzen ritten die beiden zuerst durch die Parkanlagen und anschließend durch die angrenzenden Ländereien. Die Sonne schien wohlwollend auf sie herab und ließ Francois’ langes blondes Haar wie Gold erstrahlen. Zahlreiche adelige Damen bezeichneten sie deshalb als Göttin. Eine Anrede, welche die Kommandantin selbst völlig übertrieben fand.

„Galopp…ja…Galopp“, verlangte der kleine Prinz und Francois gab ihrem prächtigen Schimmel erneut die Sporen. Sie sprangen über einen Zaun und legten an einem See eine kurze Rast ein. Behutsam wischte die Kommandantin Louis mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn.

„Francois“, die blauen Augen des kleinen Dauphin musterten sie ernst „warum habt Ihr Euch mit Mutter gestritten?“ Für den Bruchteil einer Sekunde erstarrte Francois’ Gesicht, woher wusste der Prinz das? Wie war es möglich, dass ein Kind in seinem Alter verstanden hatte, dass es sich bei dem Gespräch um einen Konflikt gehandelt gewesen war? Weder Francois noch Marie Antoinette waren laut geworden und es waren auch keine bösen Worte gefallen.
Die Kommandantin atmete tief durch und versuchte, eine einfache Erklärung zu finden. „Wisst Ihr, mein Prinz, Eure Mutter hat etwas falsch gemacht und das Volk möchte ihr sagen, wie sie es besser machen kann. Leider weigert Eure Mutter sich, ihnen zuzuhören.“

Louis nickte verstehend, er schien den Ernst der Lage begriffen zu haben - und das, obwohl der Prinz noch ein unschuldiges Kind war. Nicht zum ersten Mal fragte Francois sich, welche Intelligenz und Fähigkeiten in ihm wohnten. Zu unterschätzen war der kleine Dauphin auf keinen Fall. Schweigend ritten sie zurück.

 

Leseproben aus "Fremde Welten"


Dunkelfee

 

Leise wiegen sich die Bäume,

es brechen die geheimen Träume.

Schritte sind kaum zu hören,

kann jemand diesen Frieden stören?

Wer wagt es, wer?

Wie auf Flügeln gleitet sie umher,

schön ist ihr Antlitz,

doch glaube diesem Trugbild nicht.

Augen schwarz wie die Nacht,

Lippen weich gleich Rosenquarz,

sie verbergen große Macht.

Es umgibt sie das Wissen alter Zeiten,

Magie schenkte den Pfad hier zu verweilen.

Sie lernte Menschen kennen,

zu viele und stumm sie zu nennen.

Wird es erleben, wenn die Erde vorbei ist,

und alles am Rande steht.

Asmodina Tear 17.2.04


Lichtengel

Ich schaute tief in den finsteren Spiegel.
Er hinterließ tiefe Narben auf meiner Haut
und hat mir mühelos die Seele geraubt.
Kraftlos lag ich am Boden, glaubte an gar nichts mehr.
Liebe oder auch nur ein neuer Morgen,
alles schien unerreichbar und leer.
Selbst meine Federn sind viel zu schwer.

Und doch brachte ich eine Erzählung zu Papier,
von Liebe, Verzweiflung und Tod war ihre Zier.
Deine Augen lasen sie und führten dich zu mir.
Dann kam jener graue Regentag,
wo ich ging die Straße entlang.
Plötzlich sprangst du mich von hinten an
und wie Glas splitterte der Trauer Bann.
Mein Herz erwachte zu neuem Leben.
Mein Engel aus Licht, ich will dich nie mehr hergeben.

 

2014 (genaues Datum unbekannt)